Daimler e-Citaro – Ladestopp wird unnötig

Keine Diesel-Busse mehr ab 2030

Im nächsten Jahr will Mercedes den e-Citaro mit einer deutlich verbesserten Batterie ins Rennen schicken. Der Stadtbus soll jetzt auf eine Reichweite von 400 Kilometern kommen und so seine täglichen Fahrten ohne Nachladen schaffen. Dafür beleben die Stuttgarter sogar eine fast vergessene Technik.

Die Citaro-Stadtbusse mit dem Mercedes-Stern sind weltweit unterwegs, bisher fast alle mit einem dicken Dieselmotor. Zwar kamen vor vier Jahren die ersten elektrisch angetriebenen Daimler-Busse hinzu, doch mit seitdem gerade mal 600 verkauften e-Citaro ist Mercedes zwar Europas Nummer Eins, spielt aber doch eher eine Nebenrolle. Zum Vergleich: In der chinesischen 12-Millionenstadt Shenzen sind fast 18.000 Elektrobusse unterwegs.

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Dank einer Brennstoffzelle von Toyota kann der e-Citaro auf einen Ladestopp während seines Einsatzes verzichten. (Foto: Mercedes)

In Mannheim verkündet Till Oberwörder, Chef von Daimler Busse, dass der Diesel ab 2030 in den Stadtbussen ausgedient hat. Bereits im nächsten Jahr sollen die ersten neuen e-Citaro in die Städte kommen. Die können alles besser als bisher, kommen mit einer Batterieladung je nach Modell bis zu 400 Kilometer weit, laden schneller als bisher und haben vor allem eine Art „Ersatzkanister“ an Bord. Eine 60 kWh-Wasserstoff-Brennstoffzelle produziert bordeigenen Strom, der dann die bis zu 686 kWh-starken Batterien unterstützt. Damit entfällt das bisher nötige „Zwischenladen“ im Depot, das die Stadtbusse auf ihren täglichen Touren bisher ausgebremst hat.

Brennstoffzelle als Range Extender

Die Brennstoffzelle stammt von Toyota und dient als sogenannter „Range Extender“, der die Batterien während der Fahrt nachladen kann. Eine Technik, die auch aus dem Pkw bekannt ist. So verfügte der BMW i3, eines der ersten E-Autos in Deutschland, über einen aus einem Motorroller stammenden 650-Kubikzentimeter-Zweizylinder-Benziner, der die aus heutiger Sicht bescheidene Batterie mit knapp 19 kW bei drohendem Schlappmachen ergänzt. Diese Idee der Reichweiten-Verlängerung hat sich bekanntlich im Pkw nicht durchgesetzt.

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Die neue Batteriegeneration im e-Citaro liefert fast 70 Prozent mehr Energie als im Vorgängermodell. (Foto: Mercedes)

Bei den Stadtbussen gelten andere Dimensionen. Die neue Generation von Festkörper-Batterien besteht wie bisher aus Nickel, Mangan und Cobalt und wird deshalb NMC genannt. Die bis zu sieben Batterie-Pakete liefern gut 70 Prozent mehr Energie als im derzeitigen e-Citaro-Modell. Im Gelenkbus-Citaro bestehen sie aus bis zu 5400 einzelnen Zellen. Die Kapazität von bis zu 686 kWh ist im Vergleich zu den 108 kWh des Luxus-Stromers Mercedes EQS enorm.

Laden auch mit Pantograph möglich

Je nach Größe des Stadtgebiets kann ein Kunde unter verschiedenen Batteriegrößen und deren mögliche Reichweiten wählen. So kommt ein Solo-Bus, also ohne den Hinterwagen eines Gelenkbusses, auf gut 300 Kilometer. Sollte das Einsatzgebiet zum Beispiel in Millionenstädten mehr Kilometer erfordern, kommt der „Range Extender“ ins Spiel und liefert weitere 100 Kilometer. Geladen wird an der Steckdose mit bis zu 150 kW. Doppelt so schnell geht es über einen sogenannten „Pantograph“, wie Stromabnehmer zum Beispiel an Zügen oder Straßenbahnen im Fachjargon genannt werden. Solche scherenartige Gebilde können auch auf dem e-Citaro montiert sein.

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Mit dem sogenannten Pantograph, einem Stromabnehmer, wie ihn Züge oder Straßenbahnen haben, kann der e-Citaro enorm schnell geladen werden. (Foto: Mercedes)

Rund um das Geschäft mit den Stadtbussen baut Daimler ein großes Paket an Serviceleistungen auf. Verkehrsbetriebe werden so beraten, dass ihre stromernden Busse genau auf die örtlichen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Hinzu kommt Unterstützung beim Ausbau der Lademöglichkeiten auf den Betriebshöfen inklusive Planung, Baumaßnahmen und elektrischer Installation. Auch Software-Programme zur Verkehrslenkung oder Fernüberwachung sind im Daimler-Sorglos-Paket enthalten.

Bei allen Neuerungen arbeiten die Abteilung für Busse und Lkw zusammen. So könnte die Range-Extender-Technik auch in Nutzfahrzeugen landen. Das nächste Ziel ist der klimafreundlichere Betrieb der Reisebusse auf langen Strecken. So wird der dieselgetriebene Mercedes Intouro als Hybrid mit einem zusätzlichen Elektromotor ausgestattet, der den Verbrennungsmotor beim Anfahren oder Beschleunigen unterstützt. Der Vorteil ist ein geringerer Treibstoffverbrauch.


Quelle: https://www.n-tv.de/auto/Daimler-e-Citaro-Ladestopp-wird-unnoetig-article23307711.html